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Fremdsprachenschule Passau

Fremdsprachen sind ihre Heimat

Ein halbes Berufsleben lang hat Bernadette Hackauf in der freien Wirtschaft verbracht, die angebrochene andere Hälfte in der Schule. Sie hat also hervorragende Vergleichsmöglichkeiten und sie weiß genau, auf welche Seite ihre persönliche Waage hängt: "Die Fremdsprachenschule hier ist genau mein Ding!"
Es dürfte genau diese Begeisterung sein, die dazu führte, dass sie nun Chefin dieser Schule geworden ist. Diese Begeisterung sitzt so tief, dass sie der 53-Jährigen auch nach zehn Jahren noch leuchtende Augen ins Gesicht zaubert. Allerdings hat sie auch das Glück, an der wohl buntesten Lehranstalt der Stadt arbeiten zu dürfen – die Fremdsprachenschule ist ein Mini-Manhattan, ein Schmelztiegel an Sprachen, Themen und Kulturen. "Wir haben eine so wunderbare Mischung an Menschen und Nationalitäten, die eine lebhafte und offene Atmosphäre schaffen – das ist einmalig." Natürlich macht auch das Lehrgebiet was aus: An der Fremdsprachenschule werden nicht nur Englisch, Französisch oder Spanisch gelehrt, sondern auch die Gesetze der Länder, ihre Geschichte und Probleme, ihr Staatsaufbau, die Geographie und vieles mehr. Das weitet den Blick. Einige der rund 20 Lehrer stammen aus den "Lehr-Ländern", kommen aus Frankreich, den USA oder Spanien. Mit diesem Pfund der "Muttersprachler" wuchert die Schule seit Jahrzehnten. Und wird es weiter tun. Bernadette Hackauf hat nicht vor, die Schule von Grund auf umzukrempeln. Erweitern will die 53-Jährige das Spektrum, nicht umdrehen. Gut gebildete Flüchtlinge bilden in ihren Augen eine Zielgruppe der Zukunft. Die erste Aufgabe müsse sein, sie durch Vorklassen auf ein möglichst einheitliches Start-Niveau zu bringen. Dann könne es losgehen mit der Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten oder sogar Eurokorrespondenten. Ihre Vorgängerin Elke Kleinschmidt kennt und schätzt Bernadette Hackauf seit langem, Kleinschmidt hatte vor über zehn Jahren den Impuls gesetzt, dass die Betriebswirtschaftlerin überhaupt auf die Idee kam, ihre Sprachausbildung (siehe Kasten) in geregelten Unterricht zu gießen. Im ersten Jahr war sie unglaublich nervös, erinnert sie sich lächelnd: "Man muss sich erst daran gewöhnen, vor einer Klasse zu stehen." Vor einer Klasse junger Erwachsener wohlgemerkt – die Fremdsprachenschule besucht man frühestens nach der regulären Schulzeit, oft nach der Berufsausbildung. Einige von ihnen zahlen das Schulgeld (84 Euro/Monat) aus eigener Tasche, entsprechend hoch liegt die Motivationslatte. "Wer zu uns kommt, hat sich bewusst dafür entschlossen. Und es sind in der Regel junge Erwachsene, keine Jugendlichen mehr. Das sind Riesenvorteile", weist Hackauf auf Unterschiede zu Regelschulen hin. Motivation, leicht gemacht. Ihre eigene Karriere im System Regelschule hat die gebürtige Karlsruherin in Nürnberg absolviert, dem Ort ihrer Jugend "und damit auch meine gefühlte Heimat". Dass daraus nun die Erwachsenen-Heimaten Passau (Beruf) und Thyrnau (Wohnen) geworden sind, hat sie der Liebe zu verdanken, in Passau hat sie einst ihren späteren Mann kennengelernt, den Rechtsanwalt Michael Hackauf. Das Paar teilt eine Leidenschaft, die ganz auf der Linie der Fremdsprachlerin liegt: Reisen. So richtig daheim fühlt sich Bernadette Hackauf nun seit Jahren in einem altehrwürdigen Original von Gebäude, dem Josefsheim an der Ecke Neuburger/Ostuzzistraße, das heute die Berufsakademie Passau und damit auch den BAP-Ableger Fremdsprachenschule beherbergt. Alt und modern gehen bald eine Symbiose ein, auf die sich nicht nur die neue Schulleiterin heftig freut: "Der Neubau an der Ostuzzistraße wird super", ist sie überzeugt. Er wird nicht nur die Raumnot beenden, sondern auch das Rundum-Angebot der Schule ins 21. Jahrhundert katapultieren, so kommt zum Beispiel eine Kantine mit kleiner Terrasse dazu. Sie nimmt den Neubau als Riesengeschenk, schaut positiv nach vorne. Ihren Führungsstil beschreibt sie selbst als "Leitung auf Augenhöhe. Ich bin nicht der autoritäre Typ, ich suche den Austausch." Die positive Grundhaltung spricht auch ihr Lebensmotto aus, ein Zitat von Immanuel Kant, das eine Idealvorstellung beschreibt: Motivation reicht aus, um Ziele zu erreichen. Man muss nur wollen, dann klappt das Können ganz von allein: "Ich kann, weil ich will, was ich muss." Text: Franz Danninger; Foto: Jäger/pnp